Von seiner Grönland-Reise berichtet Pfarrer Wolfram Schmidt mit eindrucksvollen Dias auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung
(jm). Eis und Schnee gab es in der Region in der letzten Zeit mehr als genug. Trotzdem - oder weil das Thema einfach zur Jahreszeit passte - kamen mehr als 30 Interessierte zu dem Vortrag "Eis und noch vieles mehr - Bilder von einer Grönlandreise" ins Haus Walburga. Pfarrer Wolfram Schmidt berichtete in einem Bildervortrag auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) Büdingen über seine vergangene dreiwöchige Reise zur größten Insel der Welt.
Der Titel hatte nicht zu viel versprochen. Raunen ging durch die Zuschauerreihen angesichts der faszinierenden Aufnahmen von bizarr anmutenden riesigen Eisbergen, der wie aus Legosteinen gebaut wirkenden quietschbunten Häuser, die sich meist an Berghänge klammern und nur über unzählige Treppenstufen zu erreichen sind, von Wasserfontänen versprühenden Buckelwalen und den Schönheiten der kargen Natur.
Grönland (Grünland), erläuterte Schmidt, sei der Name, den die Wikinger dem mehr als zwei Millionen Quadratmeter großen Eiland gaben. Vom felsigen Island kommend erschien ihnen die Südküste mit ihren Wiesen und Bäumen als grünes Land. Der größte Teil der Landmasse allerdings ist von Eis bedeckt, das bis zu drei Kilometer dick ist. Politisch gehört Grönland zu Dänemark, ist aber seit Juni 2009 innenpolitisch autonom.
Aufgrund des Klimas - selbst im Hochsommer auf der Nordhalbkugel, im August, zu Schmidts Reisetermin, betrug die durchschnittliche Tagestemperatur nur 15 Grad - und der unwirtlichen Landschaft ist die Insel nur dünn besiedelt. 57 000 Menschen leben hier. Davon sind 88 Prozent Inuit, der Rest Grönlander und Dänen. "Eskimo, wie die Inuit früher bezeichnet wurden, heißt Rohfleischesser und ist eine Beleidigung", klärte Schmidt auf. Da ist Inuit, wie sich die Ureinwohner Grönlands selbst bezeichnen, eine angemessenere Bezeichnung. Übersetzt heißt das Mensch. Auch über die wirtschaftliche und soziale Situation wusste der Referent zu berichten. Außer Fischfang und fischverarbeitender Industrie gibt es kaum Gewerbe. So sind rund ein Viertel der Inuit Sozialhilfeempfänger. Wirtschaftlich sei Grönland von Dänemark abhängig, erklärte Schmidt.
Die Reise führte an der Westküste Grönlands vorbei bis zur Disko-Bucht, dann zurück mit Abstechern unter anderem in die Hauptstadt Nuuk und zuletzt durch den Prinz-Christian-Sund. Die Zuhörer erlebten eine karge, aber dennoch grüne und lebendige Landschaft und vor allem viel Eis und lernten ganz nebenbei viel Wissenswertes über die Insel und vor allem über Eisberge. Beeindruckend waren die Aufnahmen aus einem Fjord in der Disko-Bucht, dem Eisproduzenten schlechthin, wie Schmidt erläuterte. In der Nähe des Ortes Ilulissat schiebt ein Gletscher täglich 20 Millionen Tonnen Eis in den Fjord. Da die Muräne des Gletschers den Ausgang teilweise verlegt, stauen sich die hunderte Meter großen Eisberge ehe sie ins Meer abfließen, erst nach Norden drehen und dann Richtung Süden durch den Nordatlantik schwimmen.
Die Disko-Insel, eine einer Diskusscheibe ähnliche kreisrunde Insel, gab der Bucht ihren Namen und ist eine Besonderheit, lernten die Zuhörer. Sie ist vulkanischen Ursprungs und besteht aus erkalteter Lava. Trotz des rauhen Klimas erschien die Landschaft an den Stellen, an denen Wasser fließt, frisch und grün. Bodendecker, Gräser und Blumen gehören zur Vegetation. Überall in den Orten gibt es Kirchen, meist aus Holz. Die überwiegende Mehrheit der Grönländer sind Lutheraner. Die Insel wurde von Hans Egede, dem Apostel der Grönländer, im 18. Jahrhundert missioniert.
Und eine Besonderheit gibt es auf der kargen Insel. Ein Foto zeigte den Briefkasten des Weihnachtsmannes. Dort werden Briefe gesammelt und mit dem Weihnachtsmannstempel in alle Welt verschickt.
Trotz all der Informationen, am beeindruckendsten waren die vielen Naturaufnahmen: die immer wieder anders erscheinenden schwimmenden Riesen, die Eisberge, Gletscher, die sich ins Meer schieben, Luftspiegelungen über dem ewigen Eis und dazwischen sattgrüne Pflanzen. Da erschien manchem Besucher die derzeitige weiße Landschaft unserer Heimat klein und eng angesichts der Weite Grönlands.