Sind Büdinger mit der Politik zufrieden?
08.09.2010 - BÜDINGEN
(jm). Wie sehen Bürger die aktuelle Büdinger Stadtpolitik? Welche Probleme brennen ihnen unter den Nägeln? Und wie sieht die Arbeit eines Stadtparlamentariers, eines Magistratsmitgliedes aus? Kommunalpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen hatten zu einem Gespräch mit Bürgern ins Restaurant „Rialto“ in der Altstadt eingeladen.
Vielleicht ist die Kommunalwahl in einem halben Jahr noch in zu weiter Ferne, vielleicht sind die Büdinger politikverdrossen oder eben doch hochzufrieden mit der Stadtpolitik. Wie dem auch sei, nur eine Handvoll an der Kommunalpolitik Interessierte hatte sich eingefunden, um sich von dem beiden Stadtverordneten der Partei, Joachim Cott und Sylvia Klein, sowie Magistratsmitglied Jürgen Nettelbeck in die Geheimnisse der Büdinger Kommunalpolitik einführen zu lassen. Es war eine kleine, aber rege diskutierende und sich austauschende Gruppe, die im Nebenraum des Restaurants versammelt war. Im Hinblick auf die Kommunalwahl ging es den Aktiven der Grünen auch darum, neue Mitstreiter zu gewinnen, ein Ansinnen, das erfolgreich war, denn eine junge Frau signalisierte spontan Interesse für eine Kandidatur für das Stadtparlament.
„Uns ist der Blick von außen wichtig. Was bewegt die Bürger, vor allem auch in den Stadtteilen?“, stellte Cott die Absicht vor. Und die Gäste, überwiegend aus Büdinger Stadtteilen, redeten eifrig mit, stellten ihre Sicht der Büdinger Kommunalpolitik dar und waren nicht immer mit den Vorschlägen der grünen Mandatsträger einverstanden. Neben der Finanzsituation der Stadt wurden die Themen Dorfgemeinschaftshäuser, Sportplätze und Feuerwehren teils emotional diskutiert. „Ich bin ganz geschockt“, so eine Bürgerin zum Vorschlag, die Dorfgemeinschaftshäuser, die der Stadt immense Kosten verursachen, zu veräußern. „Das sind Treffpunkte, Dorfmittelpunkte, wo es in den Dörfern sowieso nicht viel gibt.“ Auch eine junge Frau meinte, die Bürgerhäuser hätten eine hohen emotionalen Wert in der Bevölkerung. Man könne die nicht einfach schließen.
Auf den 27. März 2011 sind die Kommunalwahlen terminiert. Dann werden die politischen Karten neu gemischt. „Wir hoffen, dass mit der Wahl wieder ein vernünftiger politischer Stil einzieht“, wünscht sich Sylvia Klein. Denn zumindest unter den Mandatsträgern der Grünen herrschte Einigkeit, dass die derzeitige Zerstrittenheit und nicht sachorientierte Arbeit im Büdinger Parlament eine strukturierte, für Büdingen formulierte Politik verhindere.
Auch viele Bürger scheinen von der Stadtpolitik nicht die allerbeste Meinung zu haben. Eine Schülerin hat in Gesprächen mit politisch interessierten jungen Menschen öfters die Meinung gehört: „Büdingen ist ein Sauhaufen.“ Bürgermeister Erich Spamer komme dagegen, so eine andere Besucherin, als Person gut an. Im Großen und Ganzen seien die Menschen aber mit der Politik nicht zufrieden. „Aber mit den Grünen sind die meisten einverstanden“, hatte die Rohrbacherin erfahren.
„Man konzentriert sich nicht auf Inhalte“, monierte Klein und verwies auf das Hallenbad, das derzeitige Kommunalwahlthema Nummer 1. „Wir sind hier nicht bei Wünsch-Dir-was, sondern bei So-isses“, spielte die Stadtverordnete auf die prekäre finanzielle Situation der Stadt an. Auch wenn das Hallenbad wegen der Schüler erhalten bleiben solle, müssten man andere Wege der Finanzierung gefunden werden. Die Sanierung, so wie sie derzeit angedacht sei, sei für die Stadt nicht zu leisten.