Warum gucken bloß alle Paare so ernst?
04.09.2010 - BÜDINGEN
Geschichtsverein zeigt im Heuson-Museum neue Sonderausstellung „Schwarz und Weiß - Hochzeitskleidung um 1900“
(jm). Die meisten Menschen empfinden den Hochzeitstag als einen der bedeutendsten Tage in ihrem Leben. Und so stehen oder hängen auch in fast jedem Haushalt zur Erinnerung an diesen Festtag von Eltern, Kindern oder Enkeln Hochzeitsbilder. In früheren Zeiten waren solche Fotos oft die einzigen, die jemals im Leben gemacht wurden.
Eine neue Sonderausstellung des Büdinger Geschichtsvereins beschäftigt sich mit dem Thema Hochzeit. Dabei ist der Titel „Schwarz und Weiß - Hochzeitskleidung um 1900“ eigentlich zu eng gefasst, denn an den Stellwänden und in den Vitrinen sind zwar viele Kleidungsstücke im Original oder eben auf Hochzeitsfotos zu sehen, aber es werden auch andere Aspekte dieses Festtages beleuchtet.
Eine spezielle Hochzeitsmode, besonders das Brautkleid, wird seit dem Mittelalter beschrieben, hat Ausstellungsmacherin Dr. Gisela Müller bei ihren Recherchen herausgefunden. Die Mode änderte sich häufig und variierte auch nach der Stellung des Brautpaares. Besondere Unterschiede gab es zwischen dem Adel und dem Bürgertum. Schon seit dem 17. Jahrhundert wurde die Farbe Weiß mit Jungfräulichkeit assoziiert und deshalb vielfach für Brautkleider bevorzugt. Ältere Menschen werden sich aber noch selbst daran erinnern, andere kennen es von Hochzeitsfotos ihrer Vorfahren, dass die Braut Schwarz trug, mit einem weißen Schleier. Das zeigen auch viele der reproduzierten Fotografien in der Ausstellung, die aus Beständen des Geschichtsvereins stammen oder von Leihgebern zur Verfügung gestellt wurden. Der Grund dafür waren praktische Überlegungen, damit das Brautkleid zu weiteren festlichen Anlässen getragen werden konnte. Oft hatten Frauen ihr Leben lang nur dieses eine Festkleid, das je nach Gelegenheit auch umgeändert wurde.
Die Männer, auch das ist auf den Bildern, die aus der Zeit vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in 1920er Jahre stammen, und den ausgestellten Originalen zu sehen, trugen einen schwarzen Gehrock mit schwarzer Hose und schwarzer Weste. Das Hemd war weiß. Dazu trug der Bräutigam eine schwarze oder weiße Fliege. Vervollständigt wurde der Hochzeitsanzug mit einem Zylinder.
Hochzeitsaufnahmen gehören seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Hochzeitstag dazu. Meist wurde nur das Brautpaar abgelichtet, im Atelier eines Fotografen oder in freier Natur, gelegentlich versammelte sich aber auch eine granze Festgesellschaft für das Foto. Auffallend an allen alten Hochzeitsfotos ist, dass das Brautpaar sehr ernst in die Kamera blickt. Auch dafür hat Müller eine Erklärung gefunden: Die Belichtungszeit der Porträtplatten dauerte relativ lange, das Brautpaar musste „stillhalten“.
In der Sonderausstellung sind auch Hochzeitsaccessoires wie der Myrrtenkranz, Anstecker und Hochzeitszeitung zu sehen. Eine Vitrine widmet sich der Silberhochzeit. Gezeigt werden unter anderem die Festschrift des Büdinger Allgemeinen Anzeigers vom 30. September 1894 zur Silberhochzeit von Fürst Bruno und Fürstin Bertha zu Ysenburg und Büdingen. Erinnerungen an diesen Ehrentag eines Ehepaares waren gestickte Sinnsprüche und bemalte Keramiken.