Bilder voller Leben: Malen als Ereignis
28.08.2010 - BÜDINGEN
Beuys-Schülerin Barbara Heinisch zeigt Werke in Bruno 11
(co). Energiegeladen, dynamisch, vielschichtig und farbkräftig sind die Arbeiten der international bekannten Künstlerin Barbara Heinisch, die noch bis Sonntag, 5. September, in der Galerie Bruno 11 zu sehen sind. Zur Vernissage kamen zahlreiche Gäste aus der Region. „Malerei als Ereignis“ ist der Titel der Ausstellung.
In einem Interview mit der Kunsthistorikerin Dr. Contessa Roberts berichtete die Malerin von ihrer außergewöhnlichen Vorgehensweise. Die Werke der früheren Beuys-Schülerin - auch über diese Zeit erzählte sie - entstehen durch Interaktion von Bewegung oder Tanz eines Partners hinter der Leinwand, der Silhouette des Modells und der gleichzeitigen Arbeit der Malerin auf der Leinwand. Heinisch hält die Bewegungen des Modells in kräftigen Farben und Pinselstrichen fest. Schemenhaft und fragmentarisch oder konkret, schwungvoll, ineinander, übereinander, sehr expressiv. Dadurch entstehen Tiefe und Spannung, darüber hinaus fesselnde Kombinationen der verwobenen Körperteile. Dabei wirken einige Arbeiten sehr abstrakt, andere wiederum lassen deutlich Körperteile oder den ganzen Körper in einer bestimmten Haltung erkennen. Durch die Überlagerungen entstehen spannungsgeladene Kombinationen.
Allen auf diese Weise entstandenen Bildern gleich ist ihre hohe Dichte und Lebendigkeit. Barbara Heinisch arbeitet sowohl mit Musik als auch in der Stille. Bei Live-Performances ist meistens auch ein Musiker dabei, sodass drei Figuren zusammenspielen: der Mensch hinter der Leinwand, die Malerin und der Musiker.
So zeigt sie in Büdingen unter anderem ein großes Tableau, vorwiegend in blau gehalten, das sie nach der Musik von Maurice Ravels „Bolero“ gemalt hat. Es wirkt lebhaft, heiter, ausladend. Der Tanz ist dynamisch auf der Leinwand festgehalten. Zu dieser Musik ist eine ganze Reihe von Bildern entstanden, auf denen die Tänzerin regelrecht wirbelt. Ein anderes Bild zeigt Körper, deren Arme flammengleich aus der Leinwand hinaus zu streben scheinen, während als ruhender Pol auf der anderen Bildseite die Umrisse der knienden weiblichen Figur Halt geben.
„Es kommt auch ganz auf meine Stimmung an, wie ich während dem Malen daran gehe“, erläuterte Heinisch. „Manche Bilder, wie die zum Bolero, entstehen in nur 16 Minuten, an anderen arbeite ich wesentlich länger. Wichtig ist auch die Interaktion mit der Tänzerin oder dem Modell.“ Zuweilen ist es jedoch nicht allein der bemalte Stoff, sondern durch einen Schnitt oder einen Riss, aus dem das Modell durch das Bild nach vorne steigt, entsteht ein Bruch, eine Zerrissenheit im wahrsten Sinne des Wortes.
Barbara Heinisch ist im In- und Ausland bekannt durch zahlreiche Ausstellungen und Performances. Auch vor laufenden Fernsehkameras hat sie schon ihre Bilder gemalt. Ihre Arbeitsweise war in den 70er Jahren „gerade zu mutig und revolutionär“, betonte Roberts während des Interviews. Die in Bad Nauheim lebende Künstlerin erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, arbeitete auch in Amerika und mit berühmten Aktionskünstlern.
Die Ausstellung in der Büdinger Galerie (Brunostraße 11) ist noch bis zum 5. September zu sehen, jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 06042/978694.