Steinbruch-Anfragen schlagen in Büdingen hohe Wellen
20.02.2010 - BÜDINGEN
Drei Unternehmen haben ihr Interesse bekundet - Proteste in anliegenden Stadtteilen
Michael Giers. Brisanz liegt in der Luft. Nachdem öffentlich wurde, dass Unternehmensanfragen vorliegen, die auf den städtischen Flächen des Steinbruchgeländes Glock einen Abbau in großem Stil zum Inhalt haben, regt sich in den anliegenden Büdinger Ortschaften Düdelsheim, Calbach, Orleshausen und Eckartshausen massiver Widerstand gegen ein solches Vorhaben.
Im Büdinger Rathaus wird dagegen auf die Rückkehr zur Sachlichkeit gepocht. Die bisherige Vorgehensweise des Magistrats mit Bürgermeister Erich Spamer an der Spitze sei absolut korrekt gewesen, sagt FDP-Magistratsmitglied Heinrich Geiß, der das Thema "Steinbruchgelände Glock" bestens beherrscht. Er kennt die Geschichte mit dem Altbesitzer, weist beispielsweise darauf hin, dass die Stadt schon einmal wegen des Neuabbau-Antrags der Firma Glock auf dem 3,2 Hektar großen städtischen Gebiet ein Würzburger Fachanwaltsbüro beauftragt hatte, 80 000 Mark dafür bezahlte und letztendlich wenig erreichte, denn die zuständige Berbaubehörde wies ein sogenanntes Zulegungsverfahren (schnelles Enteignungsverfahren) an. Auch jetzt steht die Stadt mit der Familie Glock in Verbindung. Es gibt verschiedene Vertragsentwürfe, die aber noch nicht unterschrieben sind.
Doch die Lage erfuhr jüngst eine grundlegende Veränderung. Wie zu vernehmen ist, haben zunächst die Mitteldeutsche Hartsteinindustrie (MHI) sowie eine Strabag-Firmentochter ihr Interesse bekundet, künftig den Abbau von Mineralstoffen auf dem Gelände vorzunehmen. Und zwar im großen Stil, nämlich auf über 20 Hektar Fläche. Wie Rathauschef Spamer gestern mitteilte, ist noch ein dritter Bieter hinzugekommen. Über diese Intention unterrichtete der Magistrat die Fraktionsvorsitzenden der im Stadtparlament vertretenen Parteien und Gruppierungen. Spamer: "Das war rein informativ. Eine Entscheidung ist in keiner Weise gefallen." Auch Heinrich Geiß sieht darin einen ganz normalen Schritt. Er räumte zwar ein, dass die Angelegenheit am Scheideweg stehe: "Aber manche Reaktionen in den vier Ortsteilen sind nicht nachvollziehbar."
Das sehen die Ortsvorsteher von Calbach und Düdelsheim, Reiner Hornung und Robert Preußer, gänzlich anders. Hornung hat bereits eine vorbeugende Maßnahme eingeleitet und für die nächste Büdinger Parlamentssitzung am 26. Februar einen Antrag formuliert, der folgenden Inhalt hat: Der Magistrat wird beauftragt, umgehend Sorge dafür zu tragen, dass die städtischen Flächen des Steinbruchgeländes Glock, gemäß dem bestehenden Plan, rekultiviert werden. Weiterhin soll die Möglichkeit geprüft werden, ob eine Rekultivierung unter eigener Regie möglich ist. Der Stadtverordnetenversammlung ist so lange ständig zu berichten, bis die Rekultivierung sichergestellt ist. Begründung: Die Rekultivierungsarbeiten im angesprochenen Gebiet seien seit fast zwei Jahren zum Stillstand gekommen, da der Vertrag mit dem bisherigen Pächter ausgelaufen ist. Bürgermeister Spamer habe es nicht geschafft, einen für alle Seiten günstigen Pachtvertrag abzuschließen. Habe der bisherige Pächter anfangs noch stillschweigend die Flächenpacht weiter gezahlt, so seien die Zahlungen nun schon seit elf Monaten ausgeblieben. Davon abgesehen, dass die planmäßige Rekultivierung durch diese Verzögerung immer unwahrscheinlicher werde, seien der Stadt etwa 30 000 Euro Flächenpacht entgangen. Hier gelte es, die festgefahrene Situation zu beseitigen.