Ortsbeirat und Einwohner fordern eine Ortsumgehung
21.02.2012 - ORLESHAUSEN
(myl). Orleshausen will keinen Ausbau der großen Kreuzung in der Ortsmitte. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats deutlich. Etwa 80 Einwohner kamen ins Dorfgemeinschaftshaus, viele von ihnen diskutierten lautstark über den Entwurf der Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsverwaltung, aus der früheren Planungsphase noch als ASV bekannt. Diese Landesbehörde hat die Planungshoheit bei Kreis-, Landes- und Bundesstraßen.
Kreisstraße, Landesstraße, hohes Verkehrsaufkommen - gemessen an der Frequentierung der innerörtlichen Kreuzung herrschen im Büdinger Stadtteil mit seinem Hauptknotenpunkt großstädtische Zustände. Pro Abendstunde rauschen im Schnitt laut einer Studie des ASV 770 Autofahrer durch den Ort, die vor allem die Innenstadt Büdingens umgehen wollen. Darunter Schwerlastverkehr, bedingt durch den Steinbruch Glock und die Industriegebiete Büdingens.
Ortsvorsteherin Hana Schwenger fasst zusammen: „Die Kreuzung ist eine Katastrophe, der Calbacher Weg lebensgefährlich. Die Straßen- und Verkehrsanbindungen in Orleshausen sind nicht für das heutige Verkehrsaufkommen geeignet. Verschlimmert wird das durch die Autobahnanbindung Hammersbach. Beim Bau wurde nicht bedacht, dass Orleshausen darunter leidet. Das stinkt uns.“ Die Breite der Landesstraße 3195 zwischen Büches und Orleshausen lädt zum Rasen ein, während der Teilabschnitt Ortsmitte in Richtung Calbach durch ein unübersichtliches Nadelöhr ohne Gehwege führt.
Dort ragt die ehemalige Hofreite Napp, jetzt in neuem Besitz, weit in den Ortsmittelpunkt. Die Vision, dass die Stadt die stark sanierungsbedürftige Immobilie kauft (zu teuer), dann abreißt (wegen Denkmalschutz nicht möglich) oder gar versetzt (kompliziert und teuer), hat sich erübrigt. Der neue Besitzer will die Fachwerkgebäude Stück für Stück renovieren und erhalten. Glück für Orleshausen: Er schloss mit der Stadt Büdingen eine Gestattungsvereinbarung ab, dass über einen Teil des Geländes der Hofreite vorübergehend ein Durchgang als Gehweg befestigt werden kann. Allerdings ist das erst möglich, wenn der Hausbesitzer selbst mit den Renovierungsarbeiten fertig ist. Zwei, drei Jahre könnte das dauern. Bis dahin bleibt die Gefahr. Eine Ampel wurde bereits vom ASV und der Polizei abgelehnt.
Die Ortsbeiratsmitglieder sind sich einig: Verändert man die Kreuzung nach den Plänen des ASV, wird sie weiter verzerrt, unübersichtlich und dem Verkehrsaufkommen nicht gerecht. Einzig die Einmündung Düdelsheim-Calbach würde verbessert, also der Part, den die Autofahrer statistisch gesehen am wenigsten nutzen. Für einen Ausbau der Straße fallen zudem Anliegergebühren an.
Die Akten sowohl zum Ausbau der Kreuzung als auch zur Ortsumgehung ruhen in den Ausschüssen der Stadt. Ihnen sollen die Stellungnahmen des Ortsbeirates vorgelegt und auf Grund dessen eine Empfehlung für die Stadtverordnetenversammlung ausgesprochen werden. Die Zustimmung der Stadt Büdingen ist eine Voraussetzung für den Ausbau der Kreuzung, dessen Kosten 2001 mit rund 1,6 Millionen Mark beziffert wurde. Knapp ein Drittel der Kosten entfällt auf die Stadt. Die hat, so Bürgermeister Spamer, überhaupt nur 740 000 Euro für Neubauten im Stadtsäckel.