Stadt will bei Jugendarbeit neue Schwerpunkte setzen
28.01.2012 - BÜDINGEN
Von Jutta Martini
Vertrag mit AWO gekündigt - Neuausrichtung geplant - Stadtteile sollen einbezogen wer den
Die Jugendarbeit in Büdingen soll neu ausgerichtet werden. Im vergangenen Jahr kündigte Bürgermeister Erich Spamer (FWG) nach einer Mehrheitsentscheidung des Magistrats den seit dem Jahr 2000 bestehenden Vertrag mit der AWO Hessen Süd zum 30. April 2012. Hauptgrund dafür war eine gewünschte Angebotserweiterung. So soll zukünftig zusätzlich zu den bisherigen Angeboten einer offenen Jugendarbeit verstärkt Streetwork und Jugendarbeit in den Stadtteilen einbezogen werden.
Auch eine stärkere Verknüpfung der städtischen Jugendarbeit mit der Schulsozialarbeit ist gewünscht, besonders da die Schule am Dohlberg und die Grundschule vom Wetteraukreis für ein zweijähriges Modellprojekt für Schulsozialarbeit ausgewählt wurden. Der Schwerpunkt der Jugendarbeit lag bisher auf der Integration ausländischer Jugendlicher, ein Schwerpunkt, der nach Erstem Stadtrat Manfred Hix (SPD) für die Stadt sehr wichtig sei. Unter anderem bot die AWO-Jugendarbeit in Räumen des alten Gymnasiums offene Jugendtreffs mit Internetcafé, Kreativangeboten und Probenraum an, betreute einen Fitnessraum in der alten Stadtverwaltung, leistete aufsuchende Arbeit und organisierte die Ferienspiele und erlebnispädagogische Angebote.
Die Büdinger SPD brachte mit einer großen Anfrage das Thema Jugendarbeit ins Parlament ein. „Es ist uns vollkommen unklar, warum der Vertrag mit der AWO gekündigt wurde“, bemängelt Heinrich Sperl, Vorsitzender des Büdinger SPD-Ortsvereins, die Informationspolitik des Magistrats. Weder die Fraktionen des Parlaments noch der Jugend- und Sozialausschuss seien informiert worden, geschweige denn, dass sie mitentschieden hätten. Für die SPD habe die Jugendarbeit sehr große Bedeutung. „Wir müssen darauf achten, dass keiner abrutscht, und wenn er abgerutscht ist, dass er aufgefangen wird“, betont Sperl. Vor allem mehr Streetworking, es gebe auch in der Kleinstadt Büdingen Brennpunkte, so Sperl, und Stadtteilarbeit schweben der SPD vor.
Auf eine Ausschreibung der Stadt, in der als Leistungen das Betreiben eines Jugendhauses oder offenen Treffs, Streetwork, Stadtteilarbeit, Schulsozialarbeit und die Organisation und Durchführung der Ferienspiele in Zusammenarbeit mit freien Trägern, Vereinen und dem Projekt „Familienstadt mit Zukunft“ gefordert waren, gingen drei Angebote ein, beantwortete Manfred Hix die Anfrage der SPD-Fraktion schriftlich. Lichtblick, ein Verein für Jugend- und Sozialhilfe, Jugendberatung und Jugendhilfe sowie die AWO Hessen Süd stellten dem Magistrat ihre Angebote vor. Dabei, erklärte der Erste Stadtrat, überzeugte die Vorstellung von Jugendberatung und Jugendhilfe am meisten. Zurzeit wird ein Vertrag mit dem Verein ausgearbeitet. Darin wird sichergestellt, dass die Stadt nicht mehr als 120 000 Euro pro Jahr bezahlt.
Der Verein Jugendberatung und Jugendhilfe wurde 1975 gegründet. Vorläufer war die katholische Volksarbeit in Frankfurt. Der Verein engagiert sich schwerpunktmäßig in der Jugend- und Suchtberatung. Im Wetteraukreis betreibt er unter anderem das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe. Neben der individuellen Beratung von Jugendlichen und Eltern werden Aktionen in Schulen und Kindergärten zur Suchtprävention angeboten.
In verschiedenen Schulen im Wetteraukreis, unter anderem der Schrenzerschule in Butzbach und der Limesschule in Altenstadt, hat der Verein die Schulsozialarbeit übernommen mit dem Ziel, entwicklungsbedingte Verhaltensschwierigkeiten zu überwinden. In der kommunalen Jugendarbeit ist Jugendberatung und Jugendhilfe in Rosbach sowie in weiteren Kommunen in anderen Landkreisen im Rhein-Main-Gebiet tätig. Daneben betreibt der Verein auch stationäre Einrichtungen zur Rehabilitation von Suchtkranken.