Nachwuchs macht Stoffe aus Bilderbüchern bühnenfähig
21.05.2011 - BAD NAUHEIM
Achte Wetterauer Schultheatertage auf der Bühne des Badehauses 2 in Bad Nauheim
(em). Wegen des frühen Beginns der Sommerferien sind die Schulen in den Monaten Mai und Juni arg gestresst. Klassenarbeiten, Zeugniskonferenzen, Projektwochen - alles drängt sich in den kurzen Zeitraum. Dennoch ließen es sich Kinder und Lehrkräfte nicht nehmen, bei den achten Wetterauer Schultheatertagen mitzumachen.
Professionell begleitet vom Theater Alte Feuerwache, waren unterschiedliche Inszenierungen auf der Bühne des Badehauses 2 zu sehen. Weit mehr als „nur“ Unterhaltung: „Literacy“, der motivierte und kompetente Umgang mit publizierter Sprache, mit allen denkbaren Literaturformen ist ein Schwerpunktanliegen des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes. Diese Kompetenz bewiesen die Schulensembles. Schon junge Klassen brachten Gestaltungsideen ein, machten etwa Stoffe aus Bilderbüchern erst richtig bühnenfähig, gestalteten sie mit Requisiten, mit Kulissen, mit Musik aus.
Alle Gruppen wurden zunächst auf der Bühne von Judith Pieper und Benjamin Berthold vom Theater Alte Feuerwache begrüßt. Die erste Inszenierung war in Kooperation der Nauheimer Stadtschule an der Wilhelmskirche mit der Musikschule entstanden.
„Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ hatte die Theater-AG, begleitet von Vera Munkler und Maike Sommer, das Stück überschrieben und ein Bilderbuch in ein Schauspiel verwandelt. Eine Hexenreise samt Turbulenzen und Gefahren - große wie kleine Zuschauer hatten ihren Spaß am fantasievollen Mix aus bunten Kostümen, kecken Dialogen und mitreißenden Liedern.
Alles redet von Inklusion - dieWetterauer Schultheatertage praktizieren sie seit Jahren. Wieder kamen Sechs- bis 17-Jährige aus der Friedberger Wartbergschule für praktisch bildbare Kinder und Jugendliche, diesmal mit der Inszenierung „Wilde Kerle? Das sind wir!“ nach einem Bilderbuch von Maurice Sendak. Soziales Lernen wird in der AG Darstellendes Spiel groß geschrieben.
Auch nach der Schließung ihrer Einrichtung treffen sich Kinder, Eltern und Lehrkräfte der Freien Schule Wetterau in Selters weiter. In die Theaterproduktion „Das Tier des Schreckens“, die sie mit Stephanie Richter erarbeiteten und ins Badehaus 2 mitbrachten, flossen Überlegungen zu Freundschaft, Vorurteilen und Gerüchten ein. Verspieltes Getier lebt im Zoo, aber die Hexe im Hintergrund mit der sprechenden Zaubersuppe sieht das Idyll nicht gern und hetzt alle vor einem Neuankömmling auf: „Wenn der wilde Wombat kommt...“ Naiv lassen sich die Tiere in Angst und Schrecken versetzen und der Tiger, dessen ganze Familie von Menschen erlegt wurde, erwartet einen idealen Partner für seinen Rache- und Welteroberungsfeldzug. Erstaunlicherweise ist das endlich aus der Kiste gekletterte Wombat ein friedliches Tier, das nichts anderes will, als im Zoo neue Freunde zu finden. Pech für die Hexe - bei einer Eisparty finden sich die Tiere, auch der Tiger, friedlich zusammen. Von den Kostümen bis zu den witzig-nachdenklichen Dialogen war die Aufführung stimmig und die Sechs- bis Zwölfjährigen bekamen lebhaften Beifall.
Elemente von Brechts Epischem Theater und von Augusto Boals Zeitungstheater hatte der Kurs Darstellendes Spiel der Gesamtschule Hungen mit Lehrkraft Stefan Kämmerer in die Inszenierung der „Lysistrata“ von Aristophanes eingebracht. Das klassische Stück beschloss den ersten Abschnitt der Wetterauer Schultheatertage.