Nele Neuhaus zu Gast - Zwischenmenschliche Beziehungen als Hauptthema - Geschichten in realistischer Umgebung
(sw). Der Abschluss der Leseland-Hessen-Reihe der Schottener Stadtbibliothek war ein unterhaltsamer und zugleich spannender Abend. Die Krimi-Autorin Nele Neuhaus las aus ihrem neuen Roman "Tiefe Wunden" den knapp 50 Gästen in der Markthalle des historischen Rathauses vor. Und nicht nur das, ihre amüsanten, lockeren Plaudereien über ihren Werdegang und über die Details ihrer schriftstellerischen Arbeit hatten eine humorvolle Note.
"Ich musste meine Leichen erfinden, dann brauchte ich die Kommissare", erzählte die Schriftstellerin zur Entstehungsgeschichte ihres ersten Krimis "Eine ungeliebte Frau", der sogleich - im Eigenverlag veröffentlicht - "ein Schlager" wurde. Die erste "auf Verdacht" in Auftrag gegebene Druckauflage von 5 000 Exemplaren ihres dritten Buches "Mordsfreunde" füllte eine ganz Garage und war innerhalb von drei Monaten verkauft.
Ihr neuer Krimi "Tiefe Wunden", aus dem Nele Neuhaus auch in Schotten vorlas, ist im Ullstein-Verlag erschienen, eine Tatsache, die die Autorin mit Stolz erfüllt: "Ein Lebenstraum wurde wahr." Schon als Kind wollte sie Schriftstellerin werden. Sie sei in der glücklichen Lage, mit der Schriftstellerei kein Geld verdienen zu müssen. "Das Schreiben ist mein Hobby, ich gehe mit viel Herzblut und Spaß daran." Blutrünstige Thriller mit möglichst viel Leichen sind nicht ihr Metier. "Mich interessieren mehr die zwischenmenschlichen Beziehungen. Wie kann ein Mensch zum Mörder werden?" Dieser Frage geht Nele Neuhaus mit großer Recherchebesessenheit nach. "Ich platziere meine Geschichten in einer realistische Umgebung mit bekannten Orten und bekannten Ereignissen." So spielt "Tiefe Wunden" im Vordertaunus, Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Partnerin Pia Kirchhoff gibt es - natürlich unter anderem Namen - tatsächlich als "Chef des K11" in Hofheim und als Ermittlungsbeamtin. Es kann durchaus passieren, dass Personen, Straßen und Adressen unter richtigen Namen in den Büchern der Schriftstellerin auftauchen - die Quelle für die Namensfindung entspringt oft im unmittelbaren Umfeld von Nele Neuhaus. Charakteristisch für ihre Krimis sind "immer viele Verdächtige". "Sie müssen sich konzentrieren, wenn sie meine Bücher lesen", gibt die Autorin ihren Zuhörern mit auf dem Weg.
"Tiefe Wunden" greift das Thema Nationalsozialismus auf. David Josua Goldberg, ein Holocaust-Überlebender, wird mit einem Genickschuss getötet. Die Obduktion bringt eine Überraschung: Der Ermordete war offensichtlich Angehöriger der SS. Darauf lassen Reste einer Tätowierung schließen. Stationen der Ermittlungen sind neben dem Taunus auch das Ostpreußen im Januar 1945, womit Nele Neuhaus das von ihrer Mutter entfachte geschichtliche Interesse in ihren neuesten Krimi einfließen lässt.
Mit Applaus und Dank für den unterhaltsamen Abend verabschiedeten die Gäste der Lesung die Autorin aus dem Taunus. Stadtrat Norbert Leibners Dank galt abschließend der neuen Bibliotheksleiterin Nicole Kapeller für die Organisation der Lesereihe im historischen Rathaus und in der Vogelsbergschule.