„Rösler vernichtet Hausärzte“
02.09.2010 - VOGELSBERGKREIS
Mediziner im Kreis beteiligen sich am 15.September an Protestaktionen
(rla). Die Vogelsberger Hausärzte beteiligen sich an dem bundesweiten „Tag der hausarztzentrierten Versorgung“ am 15. September mit Praxisschließungen. Der Notdienst ist an diesem Tag über die Leitstelle 06641/6465222 zu erfragen. Die Hausärzte protestieren damit gegen die neuerliche Gesundheitsreform, die Minister Rösler vorhat.
„Bundesgesundheitsminister Rösler ist mit seinen Plänen für die Kopfpauschale krachend gescheitert. Jetzt greift er den Versicherten in die Tasche und zerstört deren wohnortnahe ambulante hausärztliche Versorgung“, formulieren die Hausärzte des Vogelsbergs in einer Erklärung.
Röslers Politik treffe zuerst die Alten, die Schwerkranken und die Armen in Deutschland. „Wenn Patienten auf dem Land und in den strukturell abgehängten Quartieren unserer Städte keinen Hausarzt mehr finden, bricht die Basis unseres Gesundheitswesens zusammen.“
Dies werde sehr viel mehr kosten als die Anstrengungen, die hausärztliche Versorgung flächendeckend zu sichern. Rösler strafe unter dem Vorwand einer Spardebatte innovative Strukturen im ambulanten wie auch im stationären Sektor ab. Er belohne Krankenkassen, die nicht mehr marktfähig seien und ein Gesetz zur Verbesserung der ambulanten Versorgung ignorierten.
„Wir Vogelsberger Hausärzte sehen mit großer Sorge, wie durch die von Minister Rösler geplante Gesundheitsreform die wohnortnahe hausärztliche Versorgung gefährdet wird. Tatsache ist, dass in den nächsten Jahrzehnten unsere Gesellschaft eine steigende Lebenserwartung hat, aber dass auch in Folge die Sterblichkeit steigen wird.“
Die Hausärzte fragen, wie die immer älter und dadurch krankheitsanfälliger werdende Bevölkerung hausärztlich in Zukunft wohnortnah versorgt werden solle, wenn die Zahl der praktizierenden Hausärzte von 2008 bis 2017 aus Altersgründen in Deutschland um 4000 Hausärzte sinken wird. „Junge Allgemeinärzte werden nur dann aufs Land gehen, wenn ihre wirtschaftliche Existenz ausreichend gesichert ist! Die Versicherten werden es sich nicht gefallen lassen, dass sie mit höheren Beiträgen abkassiert werden und zugleich die Qualität ihrer Versorgung geschleift wird.“ Die Hausärzte in Deutschland würden den Wortbruch des Ministers und den Bruch des Koalitionsvertrags mit der dreijährigen Frist für die Selektivverträge nicht kampflos hinnehmen, betonen die Vogelsberger Mediziner. „Der Anschlag auf die Existenz der Hausarztpraxen, die auch Standortfaktor und Arbeitgeber sind, wird mit Protestaktionen hin bis zum Streik deutschlandweit von den Hausärzten beantwortet werden. Dieser Minister Rösler ist ein Risiko für die Bevölkerung!“