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Kreis-Anzeiger

Kultur 

Bewegende Texte ehemaliger Häftlinge

09.11.2009 - LICH

"Lyrik gegen das Vergessen": CD mit Gedichten aus Konzentrationslagern vorgestellt

(uhg). "Lyrik gegen das Vergessen" - Gedichte und Lieder aus Ghettos und Konzentrationslagern". Diesen Titel trägt eine CD, die gestern im Rahmen einer Matinee im Kulturzentrum ehemalige Bezalel Synagoge vorgestellt wurde. Die bewegenden Texte ehemaliger Häftlinge las Schauspielerin Ursula Illert vor, sie wurde (wie auch auf der CD) auf dem Cello von Anka Hirsch mit selbst komponierten Stücken begleitet.

Peter Damm vom Verein "künst-lich" hieß zu der Veranstaltung in der Reihe "9. November 1938 in Lich" auch Bürgermeister Bernd Klein und Mitglieder des Magistrats willkommen. Als Zeitzeugin berichtete die 88-jährige Trude Simonsohn über ihre Erinnerungen an die Zeit in Konzentrationslagern.

Verzweifelte HilferufeEin durchdringender tiefer Ton auf dem Cello kündigte den Beginn der Lesung an. "Sehet den Dingen nicht ins Gesicht...ihr ertrüget es nicht", hat einer der vielen unbekannten Autoren geschrieben, die sich durch das Schreiben ein wenig Erleichterung und Verarbeitung ihres fürchterlichen KZ-Alltages erhofften. Die verzweifelten Zeilen wurden auf Packpapier oder Zeitungen gefunden, "versteckt, vergraben oder eingenäht", erst Jahrzehnte später gesammelt und veröffentlicht. Bei einer Reise nach Polen erfährt der Germanistikstudent Michael Moll in Gesprächen mit ehemaligen Zwangsarbeitern oder KZ-Insassen von den Gedichten, die in den Lagern der Nationalsozialisten entstanden waren. Der Student aus Deutschland wollte etwas gegen das Vergessen tun. Er sammelte rund 350 lyrische Dokumente und veröffentlichte sie 1983 als Magisterarbeit an der Uni Münster. 1991 erschienen die Gedichte in Buchform, und im Januar diesen Jahres schließlich nahmen Ursula Illert und Anka Hirsch mit Unterstützung der Chambré-Stiftung ihre CD auf.

"Die Texte stammen von Menschen aus allen Schichten, aus allen Ländern", erklärte Ursula Illert vor ihrem Vortrag. Männer, Frauen, sogar Kinder haben die verzweifelten Hilferufe verfasst, die von Überlebenden mitgebracht oder bei der Befreiung der Lager in Verstecken gefunden wurden. Eine wahre Topographie des Schreckens tat sich vor den Zuhörern auf: da wurden Orte genannt wie das Warschauer Ghetto, die Konzentrationslager Buchenwald, Theresienstadt oder Auschwitz.

Zwischen den erschütternden Zeilen spielte Anka Hirsch einige Tonsequenzen auf dem Cello: eindringlich, manchmal dissonant, immer berührend, so als wolle sie das eben Vorgetragene noch einmal nachwirken lassen.

Einen ganz persönlichen Eindruck vermittelte die Matineeveranstaltung durch den Besuch der Zeitzeugin Trude Simonsohn. Unsentimental und mit kräftiger Stimme berichtete sie aus schrecklicher Zeit und beantwortete im Anschluss noch freundlich und geduldig die Fragen aus dem Publikum.

Sprecherin Ursula Illert und Anka Hirsch (Cello) auf der Bühne mit der 88-jährigen Zeitzeugin Trude Simonsohn. Bild: Hahn-Grimm


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