Zu wenig Wasser, zu viel Salz und immer mehr Wüste
19.02.2010 - GIESSEN
Verbundprojekt: Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung der JLU organisiert Förderung junger Wissenschaftler aus Zentralasien
(fod). Ein anhaltender Rückgang der Wasserressourcen, versalzte Böden und zunehmende Wüstenbildung: die Situation für die Landnutzung in den zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan ist dramatisch. Doch es fehlt an wissenschaftlichem Nachwuchs, um die Probleme zu lösen. Das Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU) der Justus-Liebig-Universität (JLU) möchte helfen. Hierzu erhält es nun durch die Volkswagen-Stiftung 890000 Euro für die Durchführung des Postgraduierten-Programms "Land Use, Ecosystem Services and Human Welfare in Central Asia (Luca)".
Das auf drei Jahre angelegte Projekt konzentriert sich auf den Aufbau wissenschaftlicher Kompetenz und die Stärkung länderübergreifender Forschung. Organisiert von Gießen aus betreuen seit Anfang dieses Jahres zehn Arbeitsgruppen von der JLU, der Philipps-Universität Marburg und des GeoForschungs-Zentrums Potsdam zusammen mit Kollegen aus Zentralasien junge Wissenschaftler aus der Region in ihren Doktorarbeiten zum Themenkomplex "Landnutzung, Umwelt und Entwicklung". Überdies sind Summer Schools und Fortbildungsveranstaltungen in Asien wie Europa und der regelmäßige Austausch von Forschungserkenntnissen geplant. "Die Rahmenbedingungen sind nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion extrem schwierig", berichtete Prof. Hans-Georg Frede beim Pressegespräch. Während immer mehr Experten den Staaten den Rücken kehrten, nehmen die Probleme zu. "Desolate Bewässerungssysteme, eine völlig ineffiziente Bewirtschaftung der dominierenden Baumwollkulturen und vielfach ungeklärte Landnutzungsrechte" bedrohten Wirtschaft- und Sozialsysteme, so Frede. Zusätzlich kommt es aufgrund der schmelzenden Gletscher des Himalayas zu einer Abnahme der Wassermengen in den zentralen Flussläufen. Da diese grenzüberschreitend für Trinkwasser, Landwirtschaft und Energieproduktion genutzt werden, stecke darin ein "großes Konfliktpotenzial", wie ZEU-Mitarbeiterin Dr. Katrin Schneider betonte. Eines der wichtigsten Ziele sei es daher, die politisch Verantwortlichen in den einzelnen Staaten hinsichtlich künftiger Maßnahmen zu beraten und Handlungsempfehlungen zu geben. "Um Einfluss auf eine bessere Politik nehmen zu können, müssen wir etwas Geduld mitbringen", zeigte sich Prof. P. Michael Schmitz, ebenfalls Mitglied der Luca-Lenkungsgruppe am ZEU, realistisch. Deshalb misst er der "Kapazitätenbildung" an den dortigen Hochschulen eine wichtige Bedeutung bei. Dass das Interesse an Hilfe aus Europa groß ist, bewies die gestrige Anwesenheit von Mavlon M. Mamirov, 1. Botschaftssekretär der Republik Usbekistan in Berlin, beim Pressegespräch. "Wir sind für die Gießener Unterstützung bei der Lösung der Probleme sehr dankbar", sagte der Diplomat.
Schon vorher hatte sich Mukherjee "sehr erfreut" über die Bewilligung des Verbundprojekts gezeigt. "Das zentrale Element der Förderung junger Forscher passt hervorragend zum strategischen Profil der Justus-Liebig-Universität", stellte er fest. Luca sei zudem nicht die erste JLU-Kooperation im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit, denn es laufen bereits die Programme Climate Change Network for Central Asia (Clinca) sowie das Regional Research Network "Water in Central Asia" (Cawa). Daher ist die Hoffnung bei allen Beteiligten groß, daraus zukünftig weitere Projekte entwickeln zu können.