04. Februar 2012 06:54 Uhr
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Kreis-Anzeiger

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Lauterbach 

Fünf Pfennig mehr für die städtischen Arbeiter

24.02.2010 - LAUTERBACH

Chevrolet für 4400 Mark - Agrarkrise verschärfte sich - Für 330 Mark Telefongespräch nach New York möglich

(vn). In den 1920er Jahren lebten noch mehr als drei Viertel aller Einwohner des Kreises Lauterbach von der Landwirtschaft. Die Krise der Agrarwirtschaft 1927/28 war groß. "Bauer in Not!" war der Titel einer Veranstaltung des Hessischen Bauernverbandes Anfang 1928.

Die Bauern, die nach drei vollständigen Missernten in den davor liegenden vier Jahren am Hungertuch nagten und die sich bereits im hohen Vogelsberg getroffen hatten, kamen Ende 1927 am Hoherodskopf zusammen, um Vertreter für ein Gespräch mit der Landesregierung zu bestimmen. Die Bauern forderten, dass Berufskollegen mit mehr als 50 Prozent Ernteausfall vom Staat kostenloses Saatgut erhalten sollten. Zudem solle der Staat seine Notstandskredite von 1925 verlängern, auf Steuern weiter verzichten und bei der Umstellung von Ackerbau auf Viehzucht helfen. Einen weiteren Grund der Krise machte der Hessische Bauernverband aus. Er forderte, "die Einschränkung der übermäßigen Einfuhr von Vieh, Fleisch, Getreide, Brot, Gebrauchspferden und so weiter". Historiker machen heute die beginnenden Agrarexporte aus Russland und Amerika für die Agrarkrise mit verantwortlich.

Immerhin hatten die Fuhrleute gut zu tun. Weil die Industrieproduktion im Industriegebiet Rhein/Ruhr gut lief, nahmen die dortigen Großbetriebe viel Holz aus dem Vogelsberg ab. Dass trotz Krise Geld da war für wenig dringliche Investitionen, zeigen Fälle aus Rixfeld und Meiches. Die Rixfelder Kirche wurde ab Dezember 1927 nicht mehr mit Kohlen, sondern mit Strom beheizt. Zeitgleich erhielt die Kirche in Meiches erstmals eine Heizung - eine Kohlenheizung.

Im hohen Vogelsberg gab es Pläne zum Bau der Eisenbahnlinie Wächtersbach-Birstein-Hartmannshain. Von der Gemeinde Hartmannshain wurde dafür die Garantie verlangt, Aktien im Wert von 15 000 Mark abzunehmen. Auch die kostenlose Abgabe von Grundstücken wurde erwartet. Bürgermeister Strauch wollte das nicht alleine verantworten. Er rief deshalb eine Bürgerversammlung ein, die allerdings kein klares Ergebnis brachte. Deshalb wurde eine Abstimmung angesetzt, über deren Ausgang der LA leider nicht berichtete. Zugleich wurde im Vogelsberg wieder heftig über den Bau einer Bahnlinie von Schotten über Ulrichstein nach Nieder-Gemünden beraten, wo ein Anschluss an die Linie Fulda-Gießen erfolgen sollte.

Im November 1927 wurde in Lauterbach der Film Metropolis gezeigt, der jetzt vor wenigen Tagen nach einer Rekonstruktion wieder präsentiert wurde. Auch die Lauterbacher Molkerei setzte auf das Medium Film. Sie lud ihre Milchlieferanten ein, sich am Sonntagnachmittag im Johannesberg einen Belehrungs- und Aufklärungsfilm über gute Milchwirtschaft anzusehen. Den Antrag eines Geschäftsmanns, in der Hintergasse eine Tankstelle errichten zu dürfen, lehnte der Gemeinderat ab - weil es keinen Bedarf an zusätzlichen Stationen gebe. Der Gemeinderat erhöhte dafür aber den Stundenlohn der städtischen Arbeiter von 60 auf 65 Pfennig und stimmte zu, dass ein städtischer Ziegenbock für 160 Mark verkauft wurde.

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