Altenburger machen mobil gegen aktivierten Handysendemast auf dem Sportheim
(gsi). Seit zehn Jahren steht der Handysendemast schon auf dem Altenburger Sportheim, doch nun soll er nach fünf Jahren des Ruhens von dem Mobilfunkanbieter O2 wieder in Betrieb genommen werden. Die Betriebsgenehmigung liegt bereits vor und erste Arbeiten am Mast lassen keine Zweifel daran aufkommen, dass es ernst wird. Dagegen wollen die Anwohner am Schlossberg sich nun zur Wehr setzen und luden gemeinsam mit Ortsvorsteher Heinz Heilbronn und Dr. Wolfgang Dennhöfer, Umweltbeauftragter der Stadt Alsfeld und Einwohner Altenburgs, zu einer ersten Bürgerversammlung am Ort des Geschehens ein.
Natürlich wolle heutzutage niemand mehr auf sein Handy verzichten und natürlich setzten sich alle Menschen bereits im häuslichen Bereich zahllosen Quellen von Elektrosmog aus, so der Ortsvorsteher bei seiner Begrüßung, dennoch sei es angebracht, über mögliche Gesundheitsgefährdungen der Anwohner zu diskutieren und nach anderen Lösungsmöglichkeiten zu suchen.
Marina Weber sieht sich als Anwohnerin am Schlossberg direkt von der Strahlung des Mastes gefährdet. Doch nicht nur für sich selbst wolle sie an dem Abend sprechen, sondern für alle, die die Freizeitstätte täglich nutzen: Walker, Jogger, große und kleine Fußballspieler, selbst der Kindergarten besuche mehrmals in der Woche das Gelände rund um den Altenburger Sportplatz. So hat sich die engagierte Altenburgerin in den letzten Wochen intensiv mit dem Thema befasst und informierte als erste Rednerin über gesundheitsschädliche Auswirkungen und "die viel zu hoch angesetzten Grenzwerte", die in Deutschland bei den Genehmigungsverfahren und auch bei der Frage nach der Gefährdung für die Gesundheit der Menschen zugrunde gelegt würden.
Zahlreiche Studien führte sie ins Feld, die belegten, dass die Strahlung, im vorliegenden Fall die "besonders aggressive" Form der Pulsstrahlung, als erstes Kopfschmerzen, Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten hervorrufen könne, im Fortgang jedoch auch zu Herz-Rhythmus-Störungen, Leukämie und anderen Krebsarten führen könne.
Derartige Befunde würden jedoch oft mit Hinweis auf die eingehaltenen Grenzwerte abgeschmettert. Diese seien auf veraltete Grundlagen zurückzuführen und in Deutschland die zweithöchsten weltweit. Diese Aussage unterstützte im Anschluss auch der Biologe und frühere Alsfelder Umweltbeauftragte Dr. Wolfgang Dennhöfer, der in einem kurzen wissenschaftlichen Vortrag die biologisch wirksamen Folgen von Handymasten darlegte. Da jede Zelle im menschlichen Körper elektrisch geladene Teile transportierte, liege es auf der Hand, dass elektrische Strahlung in der Umwelt dieses sensible System beeinflusse.
Diese Wirkung sei jedoch nicht linear und die Effekte, die speziell durch Handymasten entstünden, nur schwer nachweisbar, da man bei vielen Vorgängen die Wirkweise nicht kenne. Dennoch gebe es, so der Experte, immer wieder auch wissenschaftlich gesicherte und in der Fachliteratur beschriebene Erkenntnisse über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Sendemasten; höhere Krebsraten in Gebieten mit einer hohen Strahlungsdichte seien ebenso nachgewiesen wie Schäden an den Augen oder Einflüsse auf die Hirnströme. Dass die Bevölkerung durch die Einhaltung der Grenzwerte geschützt sei, werde von der Wissenschaft in zahlreichen Veröffentlichungen bestritten, wie Dennhöfer darlegte. Die Auswirkungen von Strahlung auf den menschlichen Körper liege weit unterhalb der deutschen Grenzwerte.
In einem letzten Beitrag vertiefte der ebenfalls in Altenburg ansässige Physiker Achim Spychalski-Merle das Thema. Ein Blick auf die mitgebrachte Karte zeigte, dass es sich bei dem Mast um den bisher einzigen in Altenburg handele. Auch sei aktuell das Strahlungsverhalten des Mastes noch nicht klar. Bevor man sich also eine Meinung speziell über diesen Mast bilden könne, würden noch weitere Informationen der Bundesnetzagentur benötigt. Fakt sei jedoch, dass es einen bestehenden Vertrag von O2 mit dem Altenburger Sportverein gebe, aus dem man, vorausgesetzt der Vertrag ist nicht anfechtbar, auch nicht wieder herauskomme.
Der Sportverein selbst, der von den Einnahmen aus dem Vertrag profitiert, wäre, wie der Vorsitzende Ralf Müller in der anschließenden Diskussion einräumte, durchaus bereit, mit dem Telefonanbieter über eine Standortverlegung zu verhandeln. Eine solche Vorgehensweise, so hatte Marina Weber recherchiert, habe an anderen Orten dazu geführt, dass Sendemasten aus Wohngebieten entfernt und an anderen, weniger gefährdenden Stellen wieder errichtet wurden.
So waren sich alle Anwesenden schließlich einig, dass die größte Chance, den Mast aus dem Wohngebiet am Schlossberg zu entfernen - und neben der Option der Verlegung auch die einzige - kollektiver Druck aller Altenburger auf den Netzbetreiber ist. Denn, so der Tenor, es gehe nicht nur um den einen Mast. Alle Altenburger seien nun aufgefordert, gemeinsam daran mitzuarbeiten, dass ihr Dorf "sendemastfreie Zone" werde.
Und da müssten alle gemeinsam stehen und kämpfen. Aktuell gebe es gegen den Mast auf dem Sportheim eine Unterschriftenliste. Daneben werden die Genehmigungen, Verträge und technischen Gegebenheiten geprüft, um die Voraussetzungen für einen Einspruch zu schaffen. Zeitnah wollen die Altenburger sich wieder zusammensetzen, um weiter geeignete Maßnahmen zu besprechen, die dazu beitragen sollen, dass es in ihrem Ort keine Sendemasten geben wird.