Wo sind den die Leute mit den bunten Iros?
04.09.2010 - ALSFELD
Ich hatte schon eine Menge drüber gehört : Laut, matschig, blaue Flecken und hart sollte es sein, das „Ehrlich&Laut“-Festival in Alsfeld. Ich saß im Bus, als ich das erste Mal dieses riesige Plakat sah. Ich lass mir ganz langsam die Bands und ihre ausgefallenen Namen durch. Ich drehte mich jeden Morgen weg, steckte mir meine Ohrstöpsel ins Ohr und hörte wieder normale Musik: ein bisschen Electro und keinen gitarrenüberladenen Punk! In zwei Punkten war ich mir von diesem Tag an sicher: Erstens, ich würde nie auf so ein Festival gehen, schließlich finde ich solche Musik ziemlich gräßlich. Und zweitens würden mich meine Eltern sowieso nicht alleine dort hin lassen. Unvorstellbar wie ihre kleine Tochter zwischen den ganzen bunten Iros herumirrt... Die Zeit verging, das schwarz-orange Plakat verschwand für eine gewisse Zeit und mit ihm auch meine Abneigung gegen E&L.
Und dann überredeten mich doch tatsächlich zwei Freunde, die vorhatten, das Wochenende auf dem riesigen Zeltplatz zu verbringen. Ich hatte vor am Samstag hinzugehen, die Erlaubnis meiner Eltern hatte ich sogar. Aber warum gerade Samstag? Ist doch klar, erst mal musste ich mit ein paar Leuten auf eine Kirmes. Als ich mir dort dann tatsächlich „Land der Vollidioten“ von Frei.Wild statt „Baby Get Shaky“ von The Ian Carey Project wünschte, wusste ich, dass ich endlich bereit war - denn ich konnte jede Zeile mitgrölen, da ich mir eine Woche vor meinem Ausflug ziemlich viele Lieder der anstehenden Bands anhörte.
Aber was sollte ich denn jetzt anziehen? Ich wusste nicht, ob ich mit meinem St. Pauli Pulli antanzen konnte, sieht das nicht zu gespielt aus? 15 Uhr am Toom und da standen sie schon, die Schuldigen. Bevor es auf das Festivalgelände ging, mussten wir in den nächsten Getränkemarkt, sammelten leere Flaschen auf und wurden von einer Gruppe essender Jungs mit rotem Nagellack gefragt, ob wir uns nicht mit Knoblauchsoße einreiben wollen. Hey, ein Pluspunkt - sogar der gleiche Nagellack wie meiner!
Das alles gefiel mir noch mehr, als wir mitten auf dem Platz standen. Aber wo sind denn die Leute mit hochgestellten bunten Iros? Vielleicht kommen sie ja erst bei Nacht raus oder so - na ja, das war aber auch nicht wirklich der Fall! Für mich ging’s erst mal weiter auf den Zeltplatz und somit in fast jedes zweite Zelt: Hallo sagen, Leute näher kennen lernen und die Frage beantworten, warum meine Chucks denn noch so schön sauber seien! Dann war es soweit: Gegen 23 Uhr gingen wir in die Hallen, um Frei.Wild live zu sehen - und wow! Es war der Wahnsinn. Mehr als 100 feiernde Fans - auch ohne Bassschläge und elektronische Geräusche. Die Halle war mit lauter Spaß und Lebensfreude gefüllt, ein Gefühl, dass man so schnell nicht vergessen kann. Das Ehrlich und Laut Festival 2010 - für mich war’s ein super Erlebnis und ich bin mir sicher, dass ich dem schlammigen Platz nächstes Jahr wieder einen Besuch abstatten werde - und nicht nur einen Tag!